Ziel 1

Bis 2030 die extreme Armut (Menschen, die von weniger als 1.9 US-Dollar pro Tag leben müssen) beseitigen und sicherstellen, dass alle Menschen Zugang zu Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Unterkunft und Kleidung haben.

Informationen und Anregungen

Theologische Reflexion

Arme habt ihr ja allezeit bei euch… Matthäus 26.11

Armut ist sehr konkret definiert in diesem Ziel. Es geht darum, die Zahl der Menschen auf der Welt, die mit weniger als 1,9 Dollar pro Tag auskommen müssen, bis 2030 auf Null zu reduzieren, sowie um eine Reihe anderer Massnahmen. Es geht um Zahlen, Geld und wirtschaftliche Entbehrungen. Vielleicht klingt es viel zu materiell, doch wir wissen, dass es wichtig ist.

Auch für Christinnen und Christen ist es wichtig. Das Christentum – von der Schöpfung des Himmels und der Erde über die Fleischwerdung bis hin zur Erneuerung aller Dinge – ist ein sehr materieller Glaube. Dinge sind wichtig. Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Versuche, Leben und Glauben zu sehr zu vergeistigen. Manchmal geschah es aus Mitleid mit den Armen, aber letztendlich scheitern diese Versuche: Armut – harte, reale, zermürbende Armut – ist für Gott von Bedeutung. Wenn die Bibel, wie es nicht selten geschieht, von den Armen spricht, meint sie fast immer die materiell Armen. Der gelegentliche Hinweis auf die «Armen im Geiste» sollte uns nicht davon ablenken oder uns veranlassen, alles neu zu interpretieren. Zahlreiche Verse aus der ganzen Bibel machen dies deutlich. Hier soll der Hinweis genügen: Wenn man die Passagen aus der Bibel entfernen würde, welche die Ungerechtigkeit materieller Armut anprangern, bliebe nur noch ein Text voller Lücken übrig. Aber ein Vers bleibt. Ein krasser, scheinbar irritierend klarer Vers. Er irritiert umso mehr, da er von den Lippen Jesu selbst kommt und in drei der vier Evangelien wiederholt wird. Ein bekannter und gefährlicher Vers, weil er die Fähigkeit besitzt, unsere Ambivalenz zu rechtfertigen und einen von Gott bestimmten Grund für unsere Negativität, unsere Untätigkeit und unseren Ungehorsam zu liefern. Wenn «die Armen immer bei uns sein werden», dann ist Ziel 1 nicht erreichbar. Wir können unseren Teil dazu beitragen, aber unser Bestreben bleibt eingeschränkt, unsere Hoffnung gedämpft, unser Enthusiasmus unterdrückt, alles scheinbar auf das Geheiss Jesu. Was aber, wenn wir uns irren? Was, wenn diese Aufzeichnung eines Gesprächs zwischen Jesus und Judas nicht die kühne Äusserung einer absoluten, unvermeidlichen, ewigen Wahrheit ist, für die wir sie so leicht und bequem halten? Vielleicht soll Judas daran erinnert werden, dass ein konkreter Akt des Gottesdienstes der ständigen Forderung, den Armen zu dienen, nicht im Weg stehen muss, da diese immer einen dringenden Anspruch auf seine Aufmerksamkeit haben werden? Wir sind nicht Judas. Wir gehören zur ersten Generation der Geschichte, die in der Lage ist, extreme Armut zu beseitigen. Zwischen 1990 und 2015 sind 1 Milliarde Menschen aus extremer Armut befreit worden, das ist die Hälfte aller Betroffenen. Da die Christen und Christinnen sich diesem Ziel nähern, ist eine Rechtfertigung kaum erforderlich. Mehr Unterstützung ist nötig, damit es erreicht werden kann, und es ist Gottes Herzenswunsch, dass die Armut beendet wird, und zwar jetzt!

Disskussionspunkte

  • Welchen Traum hast du für Kinder, die in Armut leben?
  • Welche Bibelverse oder Geschichten fallen dir auf Anhieb ein, wenn du an «Armut» denkst?
  • Bist du einverstanden damit, wie Matthäus 26,11 hier ausgelegt wird, oder glaubst du, dass die Bibelstelle etwas anderes bedeutet?
  • Wusstest du, dass auch in den reichsten Ländern der Welt 30 Millionen Kinder in Armut aufwachsen? Was unternimmt deine Kirche dafür, um Kinder aus der Armut zu befreien?

Was kann ich tun?

Persönlich – Übernimm eine Kinderpatenschaft mit Compassion.

Lokal – Organisiere mit deiner Kirchgemeinde eine Veranstaltung zum Weltarmutstag (17. Oktober). Organisiere ein eigenes Projekt gegen Armutsbekämpfung auf der interaktiven Fundraisingplattform: together.compassion.ch

National – Werde ehrenamtlich tätig. Compassion bietet viele Möglichkeiten, sich zu engagieren, zum Beispiel bei Veranstaltungen oder bei der Übersetzung von Briefen.

Ziel 1 in Aktion

Weltweite Armut ist ein komplexes Thema. Ihre Ausrottung ist daher noch wichtiger. Compassion engagiert sich im Kampf gegen extreme Armut durch das Kinderpatenschaftsprogramm. Das Ziel: Jeden Tag mehr Kinder aus der Armut zu befreien, ihnen ein menschenwürdiges Leben und Zukunftsperspektiven zu ermöglichen.

Compassion arbeitet in 25 Ländern des globalen Südens in Partnerschaft mit lokalen Kirchen, die die bedürftigsten Familien identifizieren und bedürftige Kinder durch Patenschaften unterstützen. Die ganzheitliche Unterstützung von Compassion umfasst die schulische Ausbildung bis zum Abschluss, Zugang zu medizinischer Versorgung, Schulungen zu Ernährung und Hygiene sowie die Entwicklung von Talenten. Compassion berücksichtigt alle Dimensionen der Armut einschliesslich der geistigen, körperlichen, sozialen und wirtschaftlichen. Kinder und Jesus stehen im Mittelpunkt des Ansatzes von Compassion. Der Wunsch von Compassion, die Armut langfristig zu beseitigen, zeigt sich auch in seinem Überlebensprogramm für Schwangere und Mütter von Neugeborenen. www.compassion.ch 

ZWISCHEN 1990 UND 2015 WURDEN EINE MILLIARDE MENSCHEN AUS EXTREMER ARMUT BEFREIT, DAS IST DIE HÄLFTE ALLER BETROFFENEN.

Jane ist in einem Armenviertel aufgewachsen, in dem sich 10’000 Menschen zwei Toiletten und einen Wasseranschluss teilten. Er war das erste Kind aus seinem Stadtteil, das nach seiner Aufnahme ins Patenschaftsprogramm zur Schule gegangen ist. Heute hat Jane nicht nur einen Master-Abschluss, sondern leitet auch ein eigenes Hilfswerk in seinem Heimatland. «Das ist nur möglich, weil ein Mann namens Tom den Mut hatte, mein Pate zu werden» sagt er.