Ziel 11

Bemüht sich um die Unterstützung der Mehrheit der Menschen auf dem Planeten, die in Städten leben, indem es sich für gute Wohnverhältnisse, saubere und sichere Städte und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen für alle einsetzt.

Informationen und Anregungen

Theologische Reflexion

Wie schön und angenehm ist es, wenn Brüder in Frieden zusammenleben! Psalm 133.1

Die Städte haben wir bei Ziel 9 zum Thema Industrie und Infrastruktur bereits erwähnt. Bei Ziel 11 geht es jedoch um die Tatsache, dass in den Städten die Mehrheit der Menschen lebt, nämlich 60 Prozent der Weltbevölkerung bis 2030. Die Gemeinschaften, die in ihnen entstehen, sind manchmal zerbrechlich und gefährlich. Dieses Ziel fokussiert auf ein gutes Zusammenleben, welches oft umso schwieriger ist, je enger wir zusammenrücken.

Die Probleme, die belebte, insbesondere städtische Gemeinden betreffen, sind vielfältig: Einwohnerzahl, Wohnsituation, Umweltverschmutzung, Verkehr, sanitäre Einrichtungen sowie die komplexe Aufgabe, einer grossen Zahl sehr unterschiedlicher Menschen das Zusammenleben zu ermöglichen. Die Bibel hat viel darüber zu sagen, wie man als Gemeinschaft effektiv und integrativ leben kann, und zwar auf eine Weise, die sie sicher, robust und nachhaltig macht. Es gibt sogar ein griechisches Wort dafür: «Koinonia» bedeutet ein gemeinsames Teilen und eine Teilhabe, wo sich die Menschen gemeinsam engagieren und Verantwortung füreinander übernehmen. Es wird am häufigsten im Zusammenhang mit der Gemeinschaft der Kirche verwendet. Aber die Kirche selbst soll der breiteren Gesellschaft ein Beispiel für Zusammenleben sein, und deshalb hat sie viel zu den Überlegungen in Bezug auf dieses Ziel beizutragen.

Derzeit leben fast eine Milliarde Menschen in städtischen Elendsvierteln. Etwa die Hälfte der städtischen Weltbevölkerung ist einer Schadstoffbelastung ausgesetzt, die mindestens 2,5-mal höher ist als der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Höchstwert. Die Vorgaben, die hinter diesem Ziel stehen, setzen sich hauptsächlich aus solchen nackten Statistiken zusammen. Der Kern, das entscheidende Mittel, mit dem sie erreicht werden sollen, ist jedoch das Engagement der Menschen in den Gemeinden selbst. Die Schaffung einer echten Gemeinschaft ist auf politischer Ebene bekanntlich schwierig. Es braucht Menschen, die sich gemeinsam engagieren, es braucht «Koinonia».

Die heutige Kirche verfügt über enorme Sachkenntnis und Erfahrung im Aufbau von Gemeinschaft, sei es in afrikanischen Slums oder in europäischen Wohnsiedlungen. Wie bei vielen dieser Ziele verfügt sie über die einzigartige Fähigkeit und Motivation, in jeder erdenklichen Gemeinschaft auf der ganzen Welt etwas zu bewirken. Christinnen und Christen können sichere, leistungsfähige, robuste und starke Gemeinschaften nicht nur definieren, sondern auch mitgestalten.

Disskussionspunkte

  • Welche biblischen Texte kommen dir in den Sinn, wenn du an den Aufruf denkst, eine echte Gemeinschaft aufzubauen und zu sein?
  • Apostelgeschichte 2,44-46 ist die vielleicht bekannteste Beschreibung der «Koinonia». Was sind die wichtigsten Eigenschaften und wie könnten wir sie heute umsetzen?
  • Wie können wir konkret denen zur Seite stehen, die in unserer Gemeinschaft oder in anderen Teilen der Welt keinen angemessenen Platz zum Leben haben?

Was kann ich tun?

Persönlich – Lerne deine Nachbarn kennen, oder Menschen, mit denen du Gruppenaktivitäten teilst. Höre auf ihre Bedürfnisse, vor allem auf die von Menschen in prekären Situationen. Bete für sie.

Lokal – Wie kann deine Gemeinde integrativer werden, insbesondere für gefährdete Menschen, für ältere Personen oder für Menschen mit einer Behinderung?

National – Äussere deine Meinung, ergreife Initiativen, beteilige dich an demokratischen Prozessen, die die Planung deiner Stadt betreffen.

Ziel 11 in Aktion

Alkoholkonsum ist für viele Gewalttaten im öffentlichen Raum verantwortlich, manchmal bis hin zum Tod. Gesunde und sichere öffentliche Räume sind eine Voraussetzung für inklusive Städte, in denen soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte geachtet werden.

In vielen afrikanischen Ländern machen die Menschen unter 25 Jahren einen sehr grossen Anteil der Bevölkerung aus. Armut, Arbeitslosigkeit, familiäre Probleme, soziale Not und das Fehlen einer öffentlichen Politik, die den Zugang zu Alkohol einschränkt, machen junge Menschen anfällig für den Konsum, besonders in den Städten. Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, wie zum Beispiel Krankheiten, ist der Alkoholkonsum ein grosses Hindernis für die Entwicklung. Das Internationale Blaue Kreuz engagiert sich mit seinem Programm «Life Skills and Peer Education» für benachteiligte junge Menschen. Durch die Fokussierung auf individuelle Verhaltensänderungen, gemeinschaftliche Aktionen und politische Arbeit reduziert das Programm Gewalt und Krankheit in Gemeinden. Sie lernen Konflikte friedlich zu lösen und werden emotional, sozial und wirtschaftlich gestärkt. www.internationalbluecross.org

DIE HÄLFTE DER MENSCHHEIT LEBT IN STÄDTEN, ABER DAVON LEBEN 828 MILLIONEN IMMER NOCH IN SLUMS.

Geraldine hatte keine einfache Kindheit. Als Tochter eines Haschisch konsumierenden Vaters und einer alkoholkranken Mutter wurde sie zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern herumgeschoben und von ihnen als Mädchen für alles behandelt. Von ihrer Stiefmutter misshandelt und dann von ihrem Stiefvater verstossen, wurde sie im Alter von 14 Jahren vergewaltigt. Aus dem einst unsicheren und desillusionierten Mädchen ist inzwischen eine verantwortungsvolle, selbstbewusste junge Frau geworden: «Im Jahr 2018 nahm ich an einem Projekt des Blauen Kreuzes teil und folgte den Aktivitäten. Was ich durch dieses Projekt gelernt habe, gebe ich jetzt an diejenigen weiter, die vorher in der gleichen Situation waren wie ich.»