Wie fair ist “fair”?

Bei Fair Trade geht es um existenzsicherndes Einkommen und Verbesserung der Lebenschancen im Weltsüden. Das ist gut. Doch ist das bereits „fair“? Unterschiedliche Initiativen mit und ohne Label setzen verschiedene Akzente von „extra fair“ für wenige bis „fair light“ für viele.


Sehr fair = besondere Anstrengung

Einige Produzenten sind so weit ab vom Markt, dass sie ohne besondere Unterstützung keine Chance zum Export haben. Doch der Export ermöglicht ein zusätzliches Einkommen, das sie für die Verbesserung ihrer Lebensumstände dringend benötigen. Gleichzeitig sind die logistischen Anforderungen in diesen Projekten aufwendiger. Das Projekt selbst ist meist Pionierarbeit. Das alles schlägt sich in höheren Preisen nieder.

Ebenfalls in diese Kategorie fallen Handelspartnerschaften, die bewusst ein Preisniveau für die Produzenten festsetzen, das über dem existenzsichernden Minimum des Fair Trade Standards liegt. So sollen Produzenten nicht nur ihre Existenz in guten Tagen sichern können, sondern auch Rücklagen z. B. für Krankheit oder minimale Altersvorsorge aufbauen können.

Die grossen unter den Organisationen, die extra faire Projekte unterstützen, sind die folgenden Organisationen:

Viele weitere Initiativen mit Produkten, die auch online erhältlich sind, finden sich im Einkaufsführer faireseiten.ch.

Ok fair = der etablierte faire Handel

Hierzu gehört in der Schweiz vor allem das Max Havelaar / Fair Trade Label. Als Vorreiter der Bewegung hat es früh Standards gesetzt und weitet diese nun für immer mehr Produkte aus. Gleichzeitig versucht das Programm immer mehr Produzierende in die Programme zu integrieren, damit immer mehr von den besseren und sicheren Produktionsbedingungen als auf dem freien Weltmarkt profitieren. Der Fokus auf Kleinproduzenten und rechtlose Arbeitnehmende in Plantagen und Fabriken bleibt. Dazu geht Max Havelaar auf der Abnehmerseite auch Kooperationen mit grossen Handelsketten ein, denn die höhere Produktion braucht auch mehr Abnehmer, damit der faire Handel wirkt. Hierzu gehören folgende Organisationen:

Ein bischen fair = Nachhaltigkeitsprogramme mit fairer Wirkung

Noch grössere Breitenwirkung haben Nachhaltigkeitsprogramme, die sich nicht ausschliesslich auf Kleinproduzenten und schlecht gestellte Arbeitnehmende konzentrieren, sondern ganze Branchen ins Visier nehmen, die anfällig für schlechte Arbeitsbedingungen und Tiefstlöhne im Weltsüden sind. Diese wollen keine expliziten Fair Trade Programme sein. Dennoch wirken sie positiv im Sinne einer Armutsreduktion und verbesserter Marktzugangschancen für Kleinproduzenten. Diese Initiativen konzentrieren sich in der Regel auf wenige Branchen / Produkte wie z. B. Bananen oder Kakao und erreichen hier eine grosse Marktdurchdringung. Die bekanntesten Labels dieser Art sind die folgenden:

  • Utz: Nachhaltigkeitslabel mit Schwerpunkt Qualität
  • Rainforest Alliance: Nachhaltigkeitslabel mit Schwerpunkt Umwelt